Marsdiep-Kreuzung zwischen Den Helder und Texel

Das Marsdiep ist eine etwa 4 km breite Meerenge bzw. ein Seegatt zwischen der Insel Texel und dem Ort Den Helder auf dem niederländischen Festland. Dort hatte die PWN (Provinciaal Waterleidingbedrijf Noord-Holland), der lokale Wasserversorger, in den 80er Jahren zwei Trinkwasserleitungen aus HDPE mit einem Flachwasserrohrlegeschiff gebaut, damit eine dauerhafte Versorgung der Insel Texel mit Trinkwasser gegeben ist.


Im Bereich des Marsdieps liegt die Schifffahrtsrinne zum Hafen Den Helder, der unter anderem der größte niederländische Militärhafen ist. Das Marsdiep hat an der tiefsten Stelle eine Wassertiefe von 32 m (LAT).

Die auf diese Weise erfolgende Trinkwasserversorgung hat viele Jahre gut funktioniert. Im Lauf der Zeit wurden aber, bedingt durch Tideströmungen, beide Trinkwasserleitungen freigespült. Eine Sicherung der Leitungen erfolgte dann über regelmäßige Steinschüttungen, die aber nur einen temporären Schutz boten. PWN agierte weitsichtig und beauftragte 2011 Machbarkeitsstudien, die verschiedene Aspekte der Sanierung, eines möglichen Neubaus und Rückbaus der vorhandenen Leitungen betrachteten. Eine Machbarkeitsstudie zum HDD wurde von LMR erstellt. Diese empfahl unter anderem, dass vor Beginn der Bohrarbeiten erst eine intensive Baugrundrecherche ausgeführt werden sollte (basierend auf vorhandenen Baugrundinformationen in Archiven und Datenbanken), der dann Testbohrungen folgen sollten.

Im Frühjahr 2013 trat dann der erste Schaden an einer der freigespülten Leitungen auf, diese Leitung brach. Es bestand Handlungsbedarf. Neben einer Reparatur der beschädigten Leitung fand die vorstehend angesprochene Datenrecherche zum Baugrund statt. Daraus resultierte eine Ausschreibung für Testbohrungen mit dem HDD Verfahren. Im Rahmen dieser Arbeiten sollten sowohl von Den Helder, als auch von Texel Testbohrungen mit Längen von 1.500 m und optional von 2.000 m in verschiedenen Tiefenlagen abgebohrt werden. Das Konzept dieser Arbeiten sah vor, mit diesen Testbohrungen:

  1. einen möglichst gut bohrbaren geologischen Horizont zu identifizieren,
  2. Erfahrungen zu sammeln:
    • welche Bohrverfahren baugrundabhängig wie gut arbeiten,
    • wie zuverlässig welche Bohrspülungssysteme arbeiten,
    • wie zuverlässig welche Bohrlochvermessungssysteme arbeiten,
    • wie die Zusammenarbeit mit den Bohrfirmen funktioniert,
    • wie sich ein möglicher Havariefall mit einem Stillstand von 48 h auswirkt.

Diese Arbeiten wurden im Frühling und Sommer 2015 von zwei unterschiedlichen HDD-Firmen ausgeführt, eine auf Texel, eine in Den Helder. LMR war dabei in der glücklichen Situation, diese Arbeiten in Den Helder ausführen zu dürfen. Die zeitlich versetzten Arbeiten für die Probebohrungen auf Texel wurden von einem Wettbewerber ausgeführt.

Zum Inhalt dieser Arbeiten und den daraus gewonnenen Erkenntnissen gibt es bereits mehrere Fachaufsätze, so dass an dieser Stelle darauf verzichtet wird diese inhaltlich zu wiederholen.

Basierend auf den Ergebnissen der Testbohrungen wurde von PWN im Anschluss an diese eine Ausschreibung erstellt. Diese hatte als Grundlage einen Turn-Key-Vertrag zum Inhalt, bei dem, abhängig von der zu liefernden Rohrdimension, eine oder zwei Bohrungen zwischen Den Helder und Texel herzustellen war. Das beinhaltete den dazugehörigen Erd- und Rohrbau sowie die vorstehend erwähnte Rohrlieferung.

Diese Ausschreibung ging im Winter 2016 an einen begrenzten Bieterkreis. Alle Bieter mussten mit dem Angebot unter anderem eine Bewertung abgeben, die bekannte und wahrscheinliche Risiken, deren Handhabung und Auswirkungen auf der Zeitschiene sowie damit verbundene Kosten darstellte. Die Risiken, ihre Handhabung und die Eliminierung der Risiken waren bei der Bewertung der Angebote von wesentlicher Bedeutung. Zugegebenermaßen war LMR nicht übermäßig optimistisch in diesen Wettbewerb gegangen. Dennoch hatte man sich entschlossen ein Zeichen setzen zu wollen und im Rahmen der Möglichkeiten ein gutes Angebot zu machen. In dieser Hinsicht entschied sich LMR unter ökonomischen Aspekten eine Bohrung für ein Rohr DN 300 anzubieten (nicht aber 2 Bohrungen für jeweils ein Rohr DN 200). Nach acht Wochen intensiver Angebotsbearbeitung erfolgte dann die Abgabe und einige Wochen später gab es ein erstes Bietergespräch. Dem folgte eine Anpassung des Angebots.

Mit großer Freude erfuhr dann LMR im Juni 2016, dass die Beauftragung für diese Arbeiten an LMR gehen würde.

Der Beauftragung folgte dann eine relativ lange und intensive Arbeitsvorbereitung. Dabei wurde eng mit PWN, den Partnerfirmen PPS, Drillguide und HEADS und weitern Lieferanten sowie den lokalen Behörden und der Hafenverwaltung in Den Helder zusammengearbeitet.

Im März 2017 erfolgte dann zunächst die Einrichtung der Rohrbaustelle auf dem Militärhafengelände in Den Helder. Dem schloss sich die Lieferung der Rohre mit den entsprechenden Rohrbauarbeiten an.

Im April erfolgte dann die Einrichtung der Bohrplätze und der Einbau der Schutzrohre im Startbereich der Bohrungen. Danach erfolgte die Mobilisierung der Bohrausrüstung und deren Aufbau. Anschließend begann ab dem 10. April 2017 der Bohrbetrieb. Es wurde von den Lokationen Den Helder und Texel aufeinander zugebohrt. Am 18. April waren dann die Bohrarbeiten soweit fortgeschritten, dass die Bohrlöcher miteinander verbunden werden konnten. Dieser Prozess wurde am 19. April abgeschlossen. Es folgte dann ein Aufweiten des Bohrloches und anschießend der Einzug des Rohres vom 27. bis zum 28. April, einschließlich einer Garantienaht.

Im Anschluss an den Rohreinzug fanden verschiedene Arbeiten zur Qualitätssicherung im Sinne der Ausschreibung statt. Diese Maßnahmen zeigten keine negativen Befunde, so dass die Einbindungen vorgenommen werden konnten und Texel nun nachhaltig sicher mit Trinkwasser versorgt werden kann.

Fazit:

Es ist schwer, auf einigen kurzen Zeilen all die Höhen und Tiefen einer solchen Arbeit darzustellen. Insgesamt ist in unserer Wahrnehmung diese Baustelle gut und reibungsfrei gelaufen. Die vorstehenden Zeilen hinterlassen vielleicht den Eindruck, dass die beschriebenen Arbeiten technisch einfach sind. Wir können in dieser Hinsicht versichern, dass das nicht der Fall ist.

Dazu hat der offene und ehrliche Umgang mit dem Bauherrn und den Projektpartnern beigetragen, dazu hat aber auch insbesondere die umfangreiche und weitsichtige Arbeitsvorbereitung beigetragen. Wir sind glücklich, darauf hinweisen zu können, dass es keine Beinahe-Unfälle, keine Unfälle und keine umweltrelevanten Schäden gab.

In Zukunft wird es sicherlich möglich sein, auch Bohrungen von größerer Länge durchzuführen. Die Machbarkeit solcher Maßnahmen wird aber immer vom Baugrund, vom ausführenden Unternehmen und vom Vertragswerk der Bauherren abhängig sein.

Ein ganz großer Dank gilt PWN und dem Aufsichtsteam von PWN (unter anderem Episcope) für das in uns gesetzte und entgegengebrachte Vertrauen, der niederländischen Marine für die Gastfreundschaft und Kooperation auf dem Marinestützpunkt Den Helder sowie dem Projektteam um Thomas Winkler, Martin van der Waal, Bert Speelman und der kompletten Bohrmannschaft sowie den an der Ausführung beteiligten Partnerfirmen (PPS, de Romein, RKT, Drillguide, HEADS).

Ein Video finden Sie in der Mediathek.

 

left arrow zurück | drucken | 24.05.2017