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VW - Emden neue Halle 18

EMDEN – Die neue Halle 18 des Emder Volkswagenwerks wird 528 Meter lang und 120 Meter breit sein. Der gesamte Rohbau der Passatfabrik wird dort ab dem Frühsommer 2014 konzentriert.

07.06.2012

„Was wir jetzt machen, stellt alles Bisherige in den Schatten“, sagte Werksleiter Jens Herrmann. Im Frühsommer 2014 sollen die ersten Passats „B 8“ aus der neuen Halle rollen.
VON HEINER SCHRÖDER


Die neue Halle 18: Sie wird mehr als 500 Meter lang sein und den gesamten Rohbau konzentrieren.

EMDEN - Die neue Halle 18 des Emder Volkswagenwerks wird 528 Meter lang und 120 Meter breit sein. Der gesamte Rohbau der Passatfabrik wird dort ab dem Frühsommer 2014 konzentriert. „Was wir jetzt machen, stellt alles Bisherige in den Schatten“, sagte gestern Werksleiter Jens Herrmann. Und mit „bisher“ meinte er die Zeit seit 1964, als das Emder Werk errichtet wurde. Hubert Waltl brachte es noch mehr auf den Punkt: „Wir bauen in Emden eine neue Fabrik“, sagte das Mitglied des Markenvorstands Volkswagen Pkw. Waltl ist dort für Produktion und Logistik zuständig. Gestern war er nach Emden gekommen, um an zwei Grundsteinlegungen teilzunehmen. Eine Milliarde Euro nimmt Volkswagen in die Hand, um die Produktion im Emder Werk auf die Zukunft einzustellen. Das Herz ist die Karosseriehalle, eine zweite, etwas kleinere Halle wird das neue Logistik-Zentrum. Für beide Hallen wurden gestern die Grundsteine gelegt. Die Arbeiten laufen also bereits.



Der Grundstein ist gelegt (von links): Michael Riffel, Geschäftsführer des Gesamtbetriebsrats, Hubert Waltl, Mitglied des Markenvorstands VW Pkw, Peter Jacobs, Betriebsratsvorsitzender des Emder Werks, Jens Hermann, Werksleiter in Emden, und Bernd Bornemann, Oberbürgermeister der Stadt Emden, vor der neuen Karosseriehalle. BILD: DPA

Im nächsten Jahr sollen die Hallen fertig sein, müssen dann aber noch mit der neuesten Technik ausgestattet werden. Dazu kommen weitere Investitionen in das Presswerk, in Stellflächen und ein Technik- und Trainingszentrum. Alles ist ausgerichtet auf die Zukunft des Autobauens. Volkswagen entwickelt gerade eine neue Generation von Diesel- und Ottomotoren, stellt die Produktion auf ein neues Baukastensystem um („modularer Querbaukasten“), steigt in die Elektromobilität und in den Leichtbau ein. Die Emder VW-Fabrik wird all das technisch leisten können und erstmals in der Lage sein, zwischen mehreren Modellen auf der Passat- Plattform zu wechseln. Über kurz oder lang, das wurde am Rande der Grundsteinlegungen deutlich, wird auch ein Elektro-Passat oder ein Hybrid- Modell, das Elektromotor und herkömmlichen Motor kombiniert, dabei sein. Flexibilität ist das große Stichwort. „Wir sind damit auch auf kritische wirtschaftliche Situationen vorbereitet“, meinte der Emder Betriebsratsvorsitzende Peter Jacobs, der von einer „langfristigen Arbeitsplatzsicherung“ und einer „wahnsinnigen Investition“ sprach. Die eine Milliarde Euro werden in den kommenden fünf Jahren investiert. Das neue Zeitalter für die Emder VW-Fabrik beginnt aber schon im Frühsommer 2014, wenn der neue Passat („B 8“) vom Band läuft. Die Investitionen berücksichtigen auch den Anspruch der Emder, eine „Blue Factory“ zu sein, also möglichst umweltschonend zu produzieren. Die neue Karosseriehalle wird einen Teil ihrer Energie per Geothermie („Erdwärme“) beziehen, die Dächer der beiden Hallen – zusammen immerhin mehr als 100 000 Quadratmeter – werden so gebaut, dass sie für Solarenergie genutzt werden können. Emden wird künftig mehr Autos als heute – im Jahr 2011 waren es immerhin 265 000 – bauen können. Aber es geht eigentlich weniger um das „Wieviel“, als mehr um das „Wie“. Das machte Waltl deutlich. Mit der neuen, flexiblen, produktiven und umweltschonenderen Bauweise will man sich Wettbewerbsvorteile sichern. „Emden hat enorm an Bedeutung gewonnen“, meinte Waltl. Besonders erwähnte er den Anteil der Emder am Bau des neuen Passatwerks im US-amerikanischen Chattanooga, das bereits produziert. Emden werde durch die Investitionen in seiner Funktion als Leitwerk für alle VW-Fabriken, in denen Passats gebaut werden, gestärkt. Eindrucksvoll klar beschrieb er die Linie des Volkswagenkonzerns: „Ohne starke deutsche Standorte kann man die Welt nicht erobern.“ Die Strategie „Raus aus Deutschland“ funktioniere auf Dauer nicht. Für Deutschland spreche auch das Ausbildungssystem. „VW arbeitet derzeit daran, das deutsche Ausbildungsmodell weltweit zu übertragen“, sagte Waltl. Von der Welt führte der Emder Oberbürgermeister Bernd Bornemann den Blick zurück auf Emden – in das Jahr 1964, als Emden im Wettbewerb mit Städten wie Nordenham oder Wilhelmshaven den Zuschlag für die Fabrik bekam. Die Entscheidung fiel wegen des Arbeitskräfte- Angebots, der Hafennähe und des Platzes – 600 Fußballfelder groß ist die Fläche, die VW zur Verfügung steht. Ein Platzangebot, das die jetzigen Investitionen erleichtert. Die alten Hallen, in denen derzeit der Rohbau läuft, bleiben stehen. Sie werden nicht abgerissen. Den Platz könne man immer gebrauchen, hieß es gestern.



So soll das neue Logistikzentrum auf dem Emder VW-Gelände einmal aussehen. Die Halle nimmt eine Fläche von 40.000 Quadratmetern ein.


Quelle: Ostfriesen-Zeitung, Mittwoch, den 6. Juni 2012

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