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7990 Kubikmeter Beton und knapp 1562 Tonnen Stahl

20.05.2019

Der Rest von Radioaktivität - Rückbau eines Reaktor in Esenshamm

Von Jürgen Hinrichs

Vor acht Jahren wurde der Atommeiler in Esenshamm stillgelegt. Nun entstand ein dort ein weiteres Zwischenlager für Atommüll. Im kommenden Oktober nimmt die Halle den Betrieb auf.  

Diese Halle ist ein Hochsicherheitstrakt, nur dass hier kein gefährlicher Mensch untergebracht wird, sondern gefährliches Material. Diese Halle, 79 Meter lang, 28 Meter breit, 17 Meter hoch, trägt so viel Stahl und Beton in sich, dass die Panzerknacker gar nicht erst anrücken müssen, aber was sollten sie auch klauen, verstrahlten Müll? Darum nämlich handelt es sich, um eine Halle für radioaktiven Abfall. Sie ist so gut wie fertig, der Rohbau steht, und auf ihn kommt es an.  

Lüftung und Licht sind keine große Sache mehr, allenfalls noch der Kran, der bis zu 32 Tonnen heben kann. Er wird ferngesteuert, denn Menschen, ob gefährlich oder nicht, haben keinen Zutritt. Im Oktober geht die Halle in Betrieb, als Zwischenlager am Kernkraftwerk Unterweser (KKU).  

Der Atommeiler in Esenshamm ist vor acht Jahren stillgelegt worden, im Februar 2018 hat der Rückbau begonnen, und was dabei aus der Anlage entnommen wird und so viel Radioaktivität abgibt, dass Mensch und Umwelt davor geschützt werden müssen, landet im Luna, wie die Kraftwerker das Gebäude nennen, das jetzt entstanden ist und am Donnerstag erstmals besichtigt werden konnte. Es ist das Lager Unterweser für schwach- und mittelradioaktive Abfälle.  

An der Halle steht ein Gerüstturm, letzte Arbeiten am Dach. Die Außenwände sind mit Blech verschalt, die Farbe grau, wie die Maus, nichts, was hier besonders auffallen will. An mehreren Stellen hängen Kabel heraus, für die Lampen und die Videokameras, die noch angebracht werden müssen.  

Überwachung ist alles auf dem Gelände. Das Atomkraftwerk produziert zwar keinen Strom mehr und ist frei von Brennstoffen, die in einer anderen Halle am KKU in sogenannten Castoren eingelagert werden. Trotzdem sind die Sicherheitsvorkehrungen weiterhin auf dem höchsten Stand. Besucher werden genau erfasst, mehrfach überprüft und zur Sicherheit auch fotografiert, bevor sie unter enger Begleitung auf das Gelände dürfen. Die Anlage ist wegen der radioaktiven Abfälle unverändert hochsensibel.  

Die Rohbauer von Ludwig Freytag haben ein Jahr gebraucht, um das Zwischenlager hochzuziehen. Zunächst mussten 128 Pfähle aus Stahlbeton in die Erde gebohrt werden. Sie haben einen Durchmesser von anderthalb Metern und sind 34 Meter lang. Oben drauf kam die Sohle, so dick, dass man ein Auto drin vergraben könnte. Ein Fundament, das enormes Gewicht aushalten muss. Zuerst die knapp einen Meter starken Außenwände.  

Dann das Dach, das aus zwölf freitragenden Stahlbetonbindern besteht. Sie sind 27 Meter lang und haben jeweils ein Eigengewicht von 72 Tonnen. Und schließlich die Behälter mit dem Abfall. Die Zylinder aus Gusseisen mit Kugelgraphit sind mit Blei ummantelt. Sie haben deutlich mehr Gewicht als der Inhalt.  

Insgesamt sind für die Halle 7990 Kubikmeter Beton und knapp 1562 Tonnen Stahl verbaut worden. „Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen“, sagt Projektleiter Randolf Okrey, der durch die Anlage führt. So eine Masse! Der Maschinenbauingenieur hat früher bei Airbus gearbeitet und ist seit 2008 im KKU. Er wurde eingestellt, nachdem das Kraftwerk noch einmal eine Betriebsverlängerung bekommen hatte. […]

Lesen Sie den vollständigen Artikel hier.  

Quelle: Weser Kurier Online (16.05.2019)

 

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