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Borkum sturmfest gemacht

Hoheitlicher Inselschutz sichert auch die Küste – etwa € 15 Mio. werden zur Sicherung der Insel und damit auch der Zufahrt nach Emden ausgegeben

27.06.2011

Die etwa 30 m² km große ostfriesische Insel Borkum, die auch auf ihr Hochseeklima verweisen darf, steht ständig unter Wellen- und Strömungsdruck. Gerade in der Sturmflutsaison sind bestimmte Küstenabschnitte heftigen Angriffen ausgesetzt. Das war schon immer so und seit langer Zeit werden die besonders gefährdeten Küstenbereiche durch Deckwerke und Seebuhnen geschützt. Nach den schweren Sturmfluten der letzten Jahre ist eine weitere, etwa € 15 Mio. teure Küstenschutzmaßnahme fällig. Die Promenade (Wandelbahn) der Insel wird über einen langen Abschnitt erneuert und verstärkt. Das Spannende dabei ist, dass die hoheitliche (von der Bundesrepublik Deutschland, hier durch das Wasser- und Schifffahrtsamt Emden) Maßnahme natürlich nur außerhalb der Sturmflutsaison auf den Weg gebracht werden kann. Das bedeutet aber auch, dass sie während der Touristensaison, der größten Einnahmequelle der Stadt, ausgeführt werden muss. Es ist schon eine wirklich interessante Konstellation, wenn mitten auf der Promenade ein 55 t Bagger Sennebogen SR35T mit 400 kW/544 PS steht und Spundbohlen einpresst. Nicht rammt oder rüttelt, sondern nahezu lautlos mit einem ABI Mäkler und dem angebauten Hydro-Press-System HPZ 700 und 4x800 kN Kraft. Wie gesagt, nahezu lautlos. Insgesamt aber ist das eine besondere Situation und bedarf der Rücksichtnahme und des aufmerksamen Umgehens aller Beteiligten damit. Letztlich ist aber auch klar, dass es keine andere Möglichkeit gibt, als diese Maßnahmen in den wenigen Monaten außerhalb der Sturmflutsaison zu realisieren. Danach ist wieder ein Stück mehr an Sicherheit gewonnen und sicherlich wird die neue Promenade nicht schlechter aussehen als die alte.

Überprüfung der Bestandssituation
Der Bestand der Insel Borkum wird durch ein Strombausystem bestehend aus schweren Deckwerken verschiedener Bauart sowie aus Seebuhnen mit vorgelagerten Unterwasserbuhnen gesichert. Durch dieses Strombausystem wird die Lage des tiefen Emsfahrwassers im äußeren Emsästuar, dessen Ebbe- und Flutrinnensystem ständig morphologischen Veränderungen unterworfen ist, stabilisiert.
Die Strandschutzmauer am Westkopf der Insel, 1875 erbaut und seitdem mehrfach erhöht bzw. instand gesetzt, ist Bestandteil des Strombausystems. Die S-förmige Schutzmauer wird auf einer Länge von ca. 1.500 m unmittelbar durch Seegang beansprucht. Die Wandelbahn (Promenade) ist der begehbare Teil der Strandschutzmauer.

Eine ca. 0,60 m bis 1,60 m hohe Betonmauer, die in einigen Bereichen verklinkert wurde, soll das Bauwerk gegen Überströmung sichern. Ab Oberkante des S-Profils (NN+5,40 m) beginnt der ca. 13 m breite, begehbare Teil der Schutzmauer. Dieser Teil wird seit 1951 von der Stadt Borkum auch touristisch als Wandelbahn (Promenade) genutzt. Den Abschluss des Strombauwerkes bildet eine größten Teils mit Klinkersteinen verblendete Stahlbeton-Stützmauer (Herdmauer).


Miteinander von Touristen, Geschäften und Bauen auf der Promenade von Borkum

Das Ergebnis
Die schweren Sturmfluten der letzten Jahre und der bauliche Zustand waren Anlass für eine Überprüfung der Standsicherheit der Strandschutzmauer mit dem Ergebnis, dass bei Ansatz der aktuellen Seegangsbelastungen das Bauwerk in unzulässigem Maße überströmt wird. Ein zu großer Wellenüberlauf kann zum Abtrag der rückwärtigen Schutzdünen und damit zur Zerstörung der Strandschutzmauer führen. Ca. 80% der mit Ortbeton und in einigen Bereichen mit Basaltplatten abgedeckten
Oberfläche der Wandelbahn waren schadhaft. Deshalb können großflächige Beschädigungen der Strandschutzmauer durch Seegang nicht ausgeschlossen werden. Die rückwärtige Herdmauer soll das gesamte Bauwerk vor Schäden durch Hinterspülung sichern. Dieses kann sie aufgrund der geringen Höhe und des baulichen Zustands der Bausubstanz bei Sturmflutwasserständen nicht mehr gewährleisten.

Die Neubausituation
Die Planung konzentriert sich daher auf die Instandsetzung und Umgestaltung dieser für die Substanzerhaltung wichtigen Bauwerksteile unter Berücksichtigung der relevanten Seegangsparameter. Den Auftrag für den Spezialtiefbau erhielt die Arge aus den Firmen Ludwig Freytag GmbH und Tiefbau GmbH Unterweser aus Oldenburg. Ein Nachunternehmer, der die Spundwandarbeiten ausführt, ist die Firma PRB Spezialtiefbau aus Werder an der Havel.


Nahezu lautlos werden die Bohlen eingepresst

Wesentliche Maßnahmen
Der gesamte abgängige Betonplattenbelag der Wandelbahn wird abgebrochen und durch einen neuen Belag aus großflächigen Betonplatten mit speziellen widerstandsfähigen Oberflächen ersetzt. Die neuen sandfarbenen Betonplatten sind unterschiedlich groß und werden durch ein mäandrierendes Band aus Klinkersteinen unterbrochen. Alle abgebrochenen Betonbauteile werden zerkleinert und als Unterbau für zu erhöhende Bereiche und zur Dünensicherung weiterverwendet. Zur Verminderung des Wellenauflaufes müssen Bereiche der Wandelbahn durch Schaffung einer zweiten Ebene erhöht und mit zusätzlichen Rauhigkeitselementen versehen werden. Zur rückwärtigen Überströmungssicherung werden tief gegründete Sicherungsspundwände und Wellenumlenker gebaut, deren Oberkante z. T. bis zu 2 m oberhalb der jetzigen Herdmauer liegt.

WSA Emden aktiv - neue Buhnen
Die Nordseeinsel Borkum stellt aus wasserbaulicher Sicht einen den Ebbe- und Flutstrom stützenden Eckpfeiler des dar. Seit etwa 130 Jahren wird der Westteil der Insel Borkum durch ein ständig in der Verbesserung befindliches System von Deckwerken und Buhnen geschützt. Um die Stabilität des Inselsockels und damit des Emsfahrwassers auch künftig zu gewährleisten, muss das Strombausystem sorgfältig erhalten und im Einklang

Seebuhnen sind wandartige Bauwerke quer zur Wasserstraße, die zur besseren Wirkung zu Buhnengruppen angeordnet werden. Die in den Strand einbindenden Seebuhnen sollen Sandabtrag durch Wellenbelastung und Strömungseinwirkung verhindern. Der mit der Strömung transportierte Sand lagert sich so in den Buhnenfeldern ab und wird dort zur Erhaltung bzw. Erhöhung des Strandes gespeichert. In Zeiten starker Erosion muss die negative Sandbilanz durch örtlich begrenzte Sandvor spülungen ausgeglichen werden. Durch einen flach geneigten, stabilen Vorstrand wird das Ufer größtmöglich vor negativen Belastungen aus Wellen und Strömungen geschützt.

Seebuhnenquerschnitt mit der natürlichen Entwicklung in seiner Wirkungsweise weiter verbessert werden. Das WSA Emden, als örtlich zuständige Behörde, unterhält auf der Insel rd. 6,5 km schwere Deckwerke verschiedener Bauart sowie 35 Seebuhnen von je 200 bis 430 m Länge und 13 sogenannte schwere Unterwasserbuhnen, die den Seebuhnen vorgelagert sind. 

Quelle: Exzellent Bauen in Deutschland Juni 2011 (www.exzellent-bid.de)

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