Navigation schliessen

Presse

Volles Rohr unter die Spree

Zur Erschließung neuer Wohngebiete musste die Vattenfall Europe Wärme AG in Köenick ihr Berliner Fernwärmenetz erweitern. Dazu war es erforderlich, die Bundeswasserstraße Müggelspree mit einer Vor- und Rücklaufleitung DN 350 zu queren. Die Kreuzung der Müggelspree sollte im Baukörper der Salvador-Allende-Brücke stattfinden. Diese ca. 40 Jahre alte Brücke war für den Einbau der Fernwärmeleitungen komplett vorgerüstet. Das Bauwerk befindet sich aber in einem baufälligen Zustand, weshalb der Düker nunmehr grabenlos entlang der Brücke verlegt werden musste.

01.04.2015

Die Arbeiten für das gesamte Düker-Bauprojekt wurden von der Vattenfall Europe Wärme AG nach Ausschreibung an die ARGE „Düker Müggelspree“ vergeben, Stehmeyer + Bischoff Berlin GmbH & Co. KG und MRA Märkische Rohrleitungs- und Anlagenbau GmbH & Co. KG. Die ARGE beauftragte ihrerseits aus der LUDWIG-FREYTAG-Unternehmensgruppe LMR Drilling mit der Ausführung der notwendigen HDD-Arbeiten: 2x295 m Spülbohrung und Einzug der Mantelrohrleitung DN 550.

Die Stahlmantelrohrleitungen wurden in zwei parallelen Rohrsträngen über die komplette Länge von 295 m gemäß Richtlinie AGFW FW 410 vorgefertigt. Aufgrund der dichten Bebauung (Wohngebiet, Supermarktparkplatz, vielbefahrene Wendenschlossstraße), war es erforderlich, die Rohrstränge auf einer 5,50 m über Gelände liegenden, aufgeständerten Rollenbahn zu lagern. Auf einer Arbeitsblattform erfolgte die Montage und die 100%ige Durchstrahlungsprüfung der Medium- und Mantelrohrnähte sowie die Dicht- heitsprüfungen.

Das Stahlmantelrohr eignet sich besonders für diese 295 m lange Dükerleitung durch die Besonderheit, dass sich die warmgehende Leitung, Auslegungstemperatur T=140°C , einer maximalen zulässigen Betriebstemperatur von 135°C und einem maximalen Betriebsüberdruck von PB=16 bar, durch die Mantelrohrleitung statisch selbst reguliert. Bei der Montage der vorgefertigten Systemleitung, die Lieferlänge der Einzelrohre betrug 16 m, war mit besonderer Sorgfalt die Montage der Bauverbindungen bestehend aus: Schweißnaht Medium Rohr, Wärmedämmung, Schweißnaht Mantelrohr, Außenisolierung mit einem PE Mantel sowie einer GFK Beschichtung durchzuführen.

Die Qualität der Montage ist bei der anschließenden Vakuumziehung des Ringraumes zwischen Medium- und Mantelrohr festzustellen. In unserem Projekt konnte innerhalb kurzer Zeit das Vakuum hergestellt werden, was eine ausgezeichnete Montagequalität bestätigt.

Die HDD-Bohrarbeiten wurden von LMR Drilling am 07. April 2014 begonnen. Dazu wurde die Bohranlage auf dem Nordufer der Müggelspree auf dem Gelände eines ehemaligen Kabelwerks eingerichtet. Beim Ausheben der Eintrittsgrube wurde festgestellt, dass der obere Bereich des Baugrundes nur aus Ziegelresten bestand und daher für das Spülbohrverfahren ein Hindernis darstellte. Es konnte kurzfristig eine praxisgerechte Lösung, durch Austausch des Baugrundes gegen Sand im Schutz der Startbaugrube, umgesetzt werden.

Nahezu ohne Verzögerung konnten die Bohrarbeiten begonnen werden, die einen extrem hohen An- spruch an die Steuergenauigkeit stellten, da die Bohrtrasse durch mehrere Zwangspunkte u.a. durch eine Mindesttiefe, die das Wasser- und Schifffahrtsamt gefordert hatte, eingeengt war. Bei der ersten Pilotbohrung wurde in der Mitte des Flusses unvorhergesehener Weise der flacher als vorhergesagt anstehende Geschiebemergel mit seiner Geröllschicht auf der geplanten und genehmigten Bohrtrasse angetroffen. Es war nicht möglich, dieses Hindernis zu durchbohren. Nach Rücksprache mit dem Bauherrn und dem WSA wurde die Bohrtrasse geändert (2 m höher).

Auf der neuen Trasse wurde die Pilotbohrung zielgenau mittels des Gyro-Steeringtools (Kreiselkompass) in das Blumenbeet des McDonald ́s-Restaurants gesteuert. Nach Umsetzen der Bohranlage auf die zweite Pilotbohrung wurde diese ebenfalls, parallel zur ersten, durchgeführt.

Der erste Rohrstrang, zusammen mit einer 125 mm PE-Leitung für die Bohrspülungsrückführung, wurde nach Aufweiten des Bohrloches auf 750 mm erfolgreich eingezogen. Danach wurde das Bohrgerät erneut umgesetzt und das erste Pilotloch auf 750 mm aufgeweitet.

Am frühen Morgen des 24. April 2014 war die Baustelle fertig zum Einziehen. Vattenfall hatte hierzu für 13:00 Uhr Funk, Fernsehen, Lokalpolitiker und viele Fachbesucher eingeladen. Der Einziehvorgang wurde durch Vattenfall um 13:15 Uhr freigegeben. Drei Stunden später wurde der Rohreinzug erfolgreich abgeschlossen. Um 19:00 Uhr saß die Bohrmannschaft geschlossen im Quartier beim Bier, um den Bericht im Regionalfernsehen RBB anzuschauen.

In dicht bebauten Gebieten kann eine HDD-Baumaßnahme nur mit einer präzisen Planung, einer qualifizierten Arbeitsvorbereitung, erfahrenen und zuverlässigen Fachleuten zum Erfolg führen!

alle Neuigkeiten